DIY Piano Shell

Musiker haben es echt manchmal schwer schwer – besonders als Pianist, wenn man nicht wegen ein bisschen üben extra in den Probenraum will. Der WAF (Woman Acceptance Factor) eines EPianos ist schon recht schlecht – wenn man dann noch für einen Gig mal alle möglichen Sachen im Esszimmer dazustellt – naja – ihr seht selber …

Da kommt dann wieder mal die Diskussion auf wie hässlich die Sachen sind – ein Flügel wär doch viel schöner ;-). Aber so ein Gerät (akkustisch) ist zum einen empfindlich (Stimmstabilität), ggf. laut (ok bei uns nicht so schlimm ..), klingt preiswert irgenwie immer verwaschen und ist auch vom Gewicht nicht ganz leicht (Transportabilität), vom Preis mal ganz abgesehen (man hat ja Limits und ich persönlich finde den Klang erst ab Yamaha C2 ansprechend genug >25T€).

Wie auch immer – ich habe erst kürzlich ein Kawai VPC1 erworben – extra fürs Wohnzimmer. Ich hatte noch nie sooo gute Tasten – im Ernst! In Verbindung mit Alica’s Keys traumhaft und auch preislich überschaubar. Aber die Optik. Irgendwie kamen wir auf selbst gebaute Gehäuse für Stage Pianos – Piano Shells – der wohl am besten treffenden Bezeichnung dafür. Der Markt dafür ist klein – also Schnäppchen nicht zu erwarten und nichts am Markt entspricht meinen Erwartungen. Ein Dutchgrand (der Platzhirsch?) ist ganz nett – aber darin findet weder der Laptop noch die Mini PA Platz. Und mind. 1300€ sind ja auch schon ne Ansage. Selbermachen? Hmm – die Rundung des Gehäuses hinzubekommen ist erst mal unklar. Nach ein paar Recherchen dazu ist klar – Schichtholz/Biegesperrholz/etc…  – dann passt das. Also mal wieder ein bisschen gezeichnet und geplant.  Vorgaben:

  • Innen Platz auch für große EPianos (Kawai VCP1/ mein Roland RD oder das MP5 sollten auch rein passen / ggf. zukünftig mal ein MP11) – heißt mind. 143cm Breite(innen), 50cm Tiefe, 20cm Höhe sollten möglich sein.
  • Innen Platz für Laptop und “MiniPA” (Zwischenboden?)
  • möglichst Kiefer (relativ leicht, stabiler als Fichte, leicht verarbeitbar)
  • ausschließlich Inneneinsatz – nahezu keine Transporteinsätze/ kein Bühnenbetrieb
  • möglichst authentischer schlichter schwarzer klassischer Pianolook (Schwung/Kurven, Optik, …)

 

Nach den ersten Planungen die Materialbeschaffung – es ist nicht ganz einfach passendes Material für die “Kurven” zu bekommen – ich habe mich nach einiger Recherche für Biegesperrholz Ceiba entschieden (Holz Possling). Die Platte ist 250x122cm und 7mm stark – ergibt bei 4 Lagen a 7mm= 28mm Stärke  – passend zu Seitenteilen (aus Stabilitätsgründen aus Kieferleimholz) in 30mm Stärke. Wegen fehlender Angebote habe ich erst 2 Platten miteinander zu einer Grundplatte verbunden zu 150cm x 108cm  (150×60 + 150×50) – später habe ich das Design verbessert (Rundung vergrößert) und nochmal ca. 20cm angesetzt. Die Grundplatte hat also ca. 150cm x 115cm. Immer noch deutlich kürzer als ein Stutzflügel mit 150cm Tiefe.

Die Seitenteile habe ich vor der Montage mit der Fräse bearbeitet, so dass die einzelnen Schichten nicht auf Stoß anliegen, sondern überlappen (Stabilität, Maßhaltigkeit).

Grundplatte und entsprechend vorbereitete Seiten verbunden (Verleimt, sicherheitshalber zum Kleben zusätzlich verschraubt). Die Seiten habe ich vom Design her an die Seiten des Kawai VPC1 angepasst.

Danach auf der Grundplatte für den großen “Schwung” kleine Böckchen verklebt, im Bereich des “Ausschwungs” 3 hohe. Baubedingt habe ich die einzelnen Lagen sowohl gegeneinander als auch gleich mit der Grundplatte verklebt. Für die Fixierung des Schwungs des großen Bogens habe ich einen passenden (vorhandenen) Tisch von Ikea zerlegt – dieser hatte entsprechende Halbbögen mit ca. 95cm Durchmesser:

(2 Lagen, 2 Lagen, 4 Lagen, Verbindung verleimt)

Ich habe mir extra noch zusätzliche Zwingen kaufen müssen und noch zusätzlich welche geliehen. Gut zu sehen  – die 3 hohen Stege zur Befestigung der Sperrholzplatten, die verlängerte Platte (incl. 45 grad Verleimfräskante), die Grundplatte ist noch nicht gekürzt und die geklebte Verbindung der Platten mit dem Seitenteil. Die Schrauben wurden für jede untere Lage nur für die Trocknungsdauer des Klebers festgezogen, dann wieder entfernt und letztlich erst mit der letzten Lage permanent verbaut. Das Kleben ist etwas knifflig – der Kleber bindet recht zügig ab – da muss man etwas aufpassen (habe sicherheitshalber die Platten vorher zusätzlich befeuchtet).

Dann habe ich mit der Stichsäge grob die Reste der Grundplatte beschnitten und mit einem Kopierfräser perfekte Übergänge gefräst. Dann noch den Stabibalken in die Mitte eingepasst und verbaut … der grundlegende Korpus ist fertig:

Nach entsprechender Oberflächenbehandlung (Holzkit, schleifen …) noch die Füße gebaut (78x78mm, Grundplatte aus Multiplex Birke) …

 

 

Den Deckel gebaut (auch 2 Platten verbunden – 150x60cm + 150x40cm, diesmal mit Nut und Feder) dann die Rundung vom Korpus übertragen, mit Stichsäge geschnitten und geschliffen. Noch die Kanten am selbst gebauten Frästisch gefasst (Bild zeigt Teststück – Fichte ;-)).

 

Sichtbare Flächen mit Schellack und normalerweise nicht sichtbare mit Acryllack glänzend lackiert. Auftragen des Schellacks ist echt schwierig. Nach einigen Versuchen habe ich ihn mit kleiner sehr hochwertiger Lackierrolle entsprechend verdünnt aufgetragen – es sind ca. 10 Schichten Lack aufgetragen worden. Die Innenteile, der Boden und alles unten ist mit Acryllack in 2-3 Schichten lackiert. Da sich der Lack sehr stumpf anfasst habe ich ihn mit Politur (Auto…) behandelt. Bisher eine sehr gute Entscheidung.Meine Tochter wollte nach dem Lackieren noch ein Bild – also hab ich mal den Akai reingestellt 😀 – zum Größenvergleich.

Nachdem nun alles im Wohnzimmer montiert wurde habe ich leider einen Konstruktionsfehler gefunden – die Füße waren zu lang. Die Unterkannte der Konstruktion beim Messen verwendet statt die Tastenhöhe. Also Füße wieder ab kürzen, neu Lackieren. Dann Kabeldurchlass bohren. Verkabeln (Strom/Audio/USB). Stütze einbauen (Alu Rohr und mehrere aufgebogene T-Winkel).

 

    

 

Ich habe noch einen passenden Klavierhocker bestellt (Thomann KB-87BP).

Desweiteren ist meine geplante Mini-PA (Logitech) zu lasch – verwende nun einen Teufel Magnum Sub mit 4 Sateliten (2x Teufel, 2x JBL Control 1). Offen ist es schick, geschlossen fehlen etwas Hochmitten und Höhen – noch einen rumliegenden EQ rein, Zwischenboden mit Akustikschaum gedämmt (vibrierte leicht) – passt. Leider passt nun der Subwoofer nicht ins Piano (zu groß) also steht er jetzt darunter. Aber das ist nicht weiter schlimm. Das Piano kann jetzt auch zur Wohnzimmer Beschallung herhalten … 😀

Nahezu PERFEKT!

Materialkosten: ~440€  – Holzplatten, Holz, 1kg Holzkit, Schrauben, Metallteile, Beize, Acryl- und Schellack, Kabelkanal, Kabel

verwendete Maschinen/Tools: Akkuschrauber, Bohrmaschine/Lochbohrer, Stichsäge, Oberfräse, Excenterschleifer, Deltaschleifer, Zwingen

Falls Fragen sind – email an ralf (at) htmldb.de schicken …

 

 

Technische Daten:

Breite: 150cm
Höhe: 91cm
Tiefe: 116cm

Kawai VPC1 + Steinberg UR-22 + Laptop (Native Instruments – Alicia’s Keys)
Teufel Concept Magnum (Sub + 2 Satelliten silber) + 2x JBL Control 1, JBL Nanopatch+,  2×15 Band EQ